Luigi Boccherini
1743-1805 ⋅ Komponist & Cellist« Si Dieu voulait parler à l’homme par la musique, il le ferait avec les œuvres de Haydn, mais s’il désirait lui‑même écouter de la musique, il se déciderait pour Boccherini. »
„Wollte Gott zu den Menschen in Musik sprechen, so täte Er es mit Haydns Werken;
wollte Er jedoch selbst lauschen, so würde Er Boccherini wählen.“
– Jean‑Baptiste Cartier: L’Art du Violon ou Collection choisie…, Paris: Decombe, 1798
Der Komponist und Cellist Luigi Boccherini (1743–1805) wurde zu seiner Zeit europaweit geschätzt und war der einzige Titularkomponist von Friedrich Wilhelm II. von Preußen, der auch Haydn, Mozart, Beethoven förderte.
Boccherini, ein gebürtiger Italiener aus der Stadtrepublik Lucca, wo die Musik seit jeher kultiviert wurde, verbrachte zwei Drittel seines Lebens in Spanien, was nicht ohne Einfluss auf manch eines seiner Werke blieb. Er schuf rund 500 Kompositionen, darunter Sinfonien, Kammermusik, Vokalwerke sowie Sonaten und Konzerte für Violoncello.
Als Pionier des modernen Cellospiels erweiterte er Technik und Ausdruck seines Instruments beträchtlich.

Alle, die mich kennen und mit mir Umgang haben, geben mir die Ehre mich für einen redlichen, ehrenhaften, empfindsamen, sanften und gefühlvollen Mann zu halten wie es meine musikalischen Kompositionen offenbaren.
— Luigi Boccherini
aus einem Brief an Boccherinis Verleger Ignace Pleyel, 1798
Boccherinis Werke
Luigi Boccherinis kleines Menuett ist weithin berühmt, seine Cellokonzerte werden bis heute von großen Virtuosen gespielt, doch diese Werke sind nur Teilchen in einem wunderbaren musikalischen Kosmos, dessen Wiederentdeckung heute mehr denn je lohnt.
Luigi Boccherinis eigenhändig angelegtes Werkverzeichnis umfasst vor allem Violinduos, Steichtrios, Sonaten für Klavier und Violine (1768), Streichquartette, Streichquintette sowie sechs kostbare Streichsextette (1776) und reizvolle Divertimenti für Flöte und Streicher.
Boccherini komponierte auch eine Reihe von Streichquintetten mit Flöte, mit Klavier und mit Gitarre. Von seinen rund 33 Sinfonien sind besonders die Opp. 12 und 21 hervorzuheben. Nicht enthalten in seiner persönlichen Werkliste sind die rund 30 Sonaten für Violoncello und basso, sowie Boccherinis wertvolle 12 Cello-Konzerte, obwohl einige davon bereits zu seinen Lebzeiten in London, Wien und Paris im Druck erschienen.
Ferner komponierte Boccherini eine Reihe von Vokalwerken. In jungen Jahren entstanden zwei Oratorien, die zeigen, dass Boccherini nicht von vorn herein dazu bestimmt war, ein Komponist von Instrumentalmusik zu werden, vielmehr hätte er auch ein bedeutender Opernkomponist sein können (Herbert Handt). Zu den 12 Konzertarien (1797) schrieb Boccherini an seinen Pariser Verleger: „ma musique vocale la plus moderne“. Boccherinis empfindsames Stabat mater gehört mit seiner einzigartigen wehmütigen Schönheit (Michael Wersin) zweifellos zu den bewegendsten Vertonungen des mittelalterlichen Mariengedichts.
Musik ohne Gefühle und Leidenschaften ist unbedeutend; daher kommt es, dass der Komponist nichts ohne die Ausführenden erreichen kann.
— Luigi Boccherini
1799
Diskographie
Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über die Einspielungen von Luigi Boccherinis Werken in den letzten Jahrzehnten. Da eine Diskographie etwas ist, das sich ständig weiterentwickelt und man daher nicht sicher sein kann, dass keine neuen Veröffentlichungen oder bestimmte historische Aufnahmen fehlen, möchten wir jeden, der diese Seite besucht und Auslassungen (oder Fehler) entdeckt, bitten, uns diese mitzuteilen, damit wir die Liste aktualisieren können. Wir hoffen, dass diese Liste auf diese Weise für alle von Nutzen sein wird.
Luigi Boccherini is an enchanting figure, quite unlike any other in musical history. Both he and his music have proved curiously elusive, however – as well as endlessly fascinating. His output is inexplicably – and unfairly – neglected; he is known for a mere handful of works (mostly in versions quite different from the original), and is all too often shamefully dismissed by musicologists, ignored by biographers.
— Steven Isserlis
Foreword: Luigi BOCCHERINI MUSICA AMOROSA, Babette Kaiserkern, London 2022
Bibliographie
Die Veröffentlichung des ersten Werkverzeichnisses durch Yves Gérard im Jahr 1969 rief zahlreiche verschollene oder unbekannte Kompositionen wieder ins Bewusstsein. Seitdem, und besonders seit den Feierlichkeiten zu seinem 200. Todestag im Jahr 2005, erlebt die Boccherini-Forschung eine wahre Renaissance, getragen von einer internationalen Gemeinschaft von Musikwissenschaftlern.
Diese Bibliographie versammelt eine Auswahl der wichtigsten Publikationen, die sich mit Boccherinis Leben und Werk befassen. Um Ihnen die Orientierung zu erleichtern, sind die hier vorgestellten Bücher und Artikel nach ihrem Charakter geordnet und in übersichtlichen Tabellen auf den folgenden Unterseiten präsentiert:
- Monographien und Anthologien versammeln die großen, umfassenden Darstellungen.
- Studien und Essays bieten vertiefte Einblicke in spezifische Aspekte seines Schaffens.
- Boccherini in Enzyklopädien liefert den schnellen, fundierten Überblick.
Divin Boccherini !
O toi dont la musique, originale et pure,
A si bien rencontré les tons de la nature.
… Ton art qui sur la terre est un présent du ciel,
Et donne l’avant-goût du bonheur éternel.
— Faÿolle, F.-J.-M.
Dictionnaire historique des musiciens, Paris 1810 (Faksimile)
Ikonographie
Eine kuratierte Sammlung von Porträts, historischen Dokumenten, Stichen und Gemälden, die das Leben und Wirken von Luigi Boccherini sowie die kulturellen Kontexte seiner Epoche eindrucksvoll illustriert. Diese visuelle Erkundung bietet Einblicke in Boccherinis Biografie, einschließlich seiner bedeutenden Manuskripte und der historischen Stätten, die eng mit dem Erbe des Komponisten verknüpft sind.
— Charles Burney
A General History of Music, Vol. II, London 1789
Historische Bedeutung
Boccherinis historische Bedeutung liegt vor allem in seinem Beitrag zur Entwicklung der Kammermusik. Er gilt als einer der Väter des Streichquartetts und als Schöpfer des Streichquintetts in der Besetzung mit zwei Celli. Damit emanzipierte er das Cello von seiner reinen Begleitfunktion und gab ihm eine prominente, konzertante Rolle.
Sein Stil, oft als „galant“ oder „Rokoko“ beschrieben, verbindet italienische Kantabilität mit rhythmischer Finesse und einer reichen, oft überraschenden Harmonik. Er nahm in seiner Musik spanische Einflüsse auf und schuf Werke von großer Eleganz, Anmut und emotionaler Tiefe.
Obwohl er oft im Schatten seiner Zeitgenossen Haydn und Mozart stand, wird er heute als eigenständiger und hochinnovativer Meister der Klassik anerkannt, dessen Musik einen einzigartigen Charme und eine besondere Klangsinnlichkeit besitzt.