Die Familie Boccherini: Ein Leben für die Kunst
Die Wurzeln des Talents
Die Künstlerfamilie in Lucca: Ein Haus voller Musik
Das Zentrum der Familie war der Vater, Leopoldo Boccherini. Er war nicht nur ein angesehener Kontrabassist und Cellist in der städtischen Cappella Palatina von Lucca, sondern auch ein Mann mit einer herrlichen Gesangsstimme. Er war es, der das außergewöhnliche Talent seines Sohnes Luigi als Erster erkannte und mit unermüdlichem Einsatz förderte. Leopoldo war nicht nur Luigis erster Lehrer, sondern auch sein Mentor und Reisebegleiter. Er begleitete den jungen Virtuosen auf seinen entscheidenden Studienreisen nach Rom und zu den Engagements in Wien. Sein Glaube an das Können seines Sohnes und seine Bereitschaft, dafür berufliche und finanzielle Opfer zu bringen, waren für Luigis frühe Entwicklung von unschätzbarem Wert. Um die Ausbildung seines Sohnes zu finanzieren und ihn auf Reisen begleiten zu können, gab Leopoldo sogar sein Kaffeerestaurant mit Billardtischen auf, das lange Zeit die Haupteinnahmequelle der Familie gewesen war. Erst nach einem erfolgreichen Vorspiel vor einer Kommission unter dem Vorsitz des strengen Giacomo Puccini senior erhielt er 1747 seine feste Anstellung als Kontrabassist im städtischen Orchester. Diese Position behielt er bis zu seinem Tod, unterbrochen nur von den Reisen, auf denen er die Karrieren seiner Kinder vorantrieb.
Das Zentrum der Familie war der Vater, Leopoldo Boccherini. Er war nicht nur ein angesehener Kontrabassist und Cellist in der städtischen Cappella Palatina von Lucca, sondern auch ein Mann mit einer herrlichen Gesangsstimme. Er war es, der das außergewöhnliche Talent seines Sohnes Luigi als Erster erkannte und mit unermüdlichem Einsatz förderte. Leopoldo war nicht nur Luigis erster Lehrer, sondern auch sein Mentor und Reisebegleiter. Er begleitete den jungen Virtuosen auf seinen entscheidenden Studienreisen nach Rom und zu den Engagements in Wien. Sein Glaube an das Können seines Sohnes und seine Bereitschaft, dafür berufliche und finanzielle Opfer zu bringen, waren für Luigis frühe Entwicklung von unschätzbarem Wert. Um die Ausbildung seines Sohnes zu finanzieren und ihn auf Reisen begleiten zu können, gab Leopoldo sogar sein Kaffeerestaurant mit Billardtischen auf, das lange Zeit die Haupteinnahmequelle der Familie gewesen war. Erst nach einem erfolgreichen Vorspiel vor einer Kommission unter dem Vorsitz des strengen Giacomo Puccini senior erhielt er 1747 seine feste Anstellung als Kontrabassist im städtischen Orchester. Diese Position behielt er bis zu seinem Tod, unterbrochen nur von den Reisen, auf denen er die Karrieren seiner Kinder vorantrieb.
Doch Luigi war nicht das einzige talentierte Kind. Seine Geschwister schlugen ebenfalls künstlerische Laufbahnen ein und trugen zum Ruf der Familie auf den europäischen Bühnen bei:
- Maria Ester (*1740) und Anna Matilde (*1744) wurden erfolgreiche Tänzerinnen. Maria Ester erhielt sogar ein Engagement als Solistin am prestigeträchtigen Burgtheater in Wien, wo sie im aufsehenerregenden Ballett Don Juan von Christoph Willibald Gluck tanzte. Ihre Erfolge in Wien waren auch finanziell bedeutend für die Familie; als Solistin verdiente sie ein Vielfaches dessen, was ihr Vater und Bruder als einfache Orchestermusiker erhielten. Später heiratete sie den Tänzer Onorato Viganò, ihr gemeinsamer Sohn Salvatore Viganò wurde einer der berühmtesten Choreographen seiner Zeit.
- Giovanni Gastone (*1742), der nur ein Jahr ältere Bruder, war ein vielseitiger Künstler. Er wirkte als Tänzer, Figurant und Geiger, fand aber seine wahre Berufung als Dichter und Librettist. Er etablierte sich in Wien und arbeitete mit den größten Komponisten der Epoche zusammen. Sein bekanntestes Werk ist das Libretto zu Joseph Haydns Oratorium Il ritorno di Tobia. Seine literarische Begabung und seine Kontakte in der Wiener Theaterszene waren für die Familie von unschätzbarem Wert und öffneten Türen, die sonst verschlossen geblieben wären.
- Auch die jüngste Schwester, Riccarda (*1747), folgte dem Ruf der Bühne und wurde Tänzerin und Sopranistin. Sie begleitete ihre Mutter nach Spanien, um in der Nähe ihres Bruders Luigi zu sein.
Dieser familiäre Zusammenhalt schuf ein einzigartiges Umfeld, in dem Kunst und Musik der selbstverständliche Mittelpunkt des Lebens waren. Die gemeinsamen Reisen, insbesondere nach Wien, waren nicht nur Familienunternehmungen, sondern auch professionelle Engagements, bei denen die Boccherinis als geschlossene künstlerische Einheit auftraten. Sie unterstützten sich gegenseitig, teilten ihre Einnahmen und schufen ein mobiles künstlerisches Zentrum, das sich flexibel an die Gegebenheiten der europäischen Kulturmetropolen anpassen konnte.
Boccherinis eigene Familie in Spanien: Liebe und Verlust
Nachdem er sich in Spanien niedergelassen hatte, gründete Luigi Boccherini seine eigene Familie, die zum Zentrum seines Lebens wurde. Seine erste Ehe schloss er am 17. August 1769 mit der römischen Sopranistin Clementina Pelliccia.
Diese Verbindung war eine Symbiose von Leben und Kunst. Clementina war nicht nur seine Ehefrau und die Mutter seiner Kinder, sondern auch eine musikalische Partnerin. Sie gehörte wie er zur italienischen Operntruppe des Impresarios Luigi Marescalchi. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie die Sopranpartien in vielen seiner Vokalwerke, wie der Erstfassung des Stabat Mater, interpretierte und seine Kompositionen mit ihrer Stimme zum Leben erweckte.
In den vierzehn Jahren ihrer Ehe gebar sie sieben Kinder: die Söhne Luis Marcos, José Mariano und den früh verstorbenen Félix Luis sowie die Töchter Maria Joaquina, Teresa, Mariana und Isabel.
Das Familienglück wurde jedoch von schweren Schicksalsschlägen überschattet. Das Leben im ständigen Gefolge des Infanten Don Luis, das die Familie von einem königlichen Schloss zum nächsten führte, war unstet. Die Geburtsorte der Kinder – Aranjuez, El Pardo – zeugen von diesem nomadischen Dasein. Der frühe Tod von vier seiner fünf Töchter und des kleinen Sohnes Félix Luis muss für den sensiblen Komponisten eine Quelle tiefen Schmerzes gewesen sein.
Der wohl größte Verlust traf ihn am 2. April 1785, als seine geliebte Clementina im Alter von nur 36 Jahren an einem Gehirnschlag starb. Er blieb als Witwer mit sechs minderjährigen Kindern zurück – ein Ereignis, das einen tiefen Einschnitt in seinem Leben darstellte und dessen Melancholie in vielen seiner späteren Werke spürbar ist. Sein erstes Testament, das er kurz nach ihrem Tod verfasste, ist ein berührendes Zeugnis seiner Sorge um die Zukunft seiner Kinder und seiner tiefen Verzweiflung.
Zwei Jahre später, 1787, fand Boccherini ein neues privates Glück. Er heiratete María del Pilar Joaquina Porreti, die Tochter des verstorbenen Cellisten der königlichen Kapelle, Domingo Porreti. Joaquina wurde für ihn und seine Kinder zu einer wichtigen Stütze in den folgenden, oft schwierigen Jahren. Sie brachte nicht nur Stabilität in den Haushalt, sondern auch ein eigenes Vermögen und wichtige Verbindungen in die Madrider Musikwelt mit.
Aus dieser Ehe gingen keine weiteren Kinder hervor. Doch auch dieses Glück war nicht von Dauer. In seinen letzten Lebensjahren musste Boccherini den Tod seiner letzten verbliebenen Töchter und schließlich, im Jahr 1804, auch den seiner zweiten Frau Joaquina erleben. Diese wiederholten Verluste isolierten ihn zusehends und warfen einen dunklen Schatten auf seine letzten Jahre.
Von seinen sieben Kindern überlebten ihn nur die beiden Söhne Luís Marcos, der eine geistliche Laufbahn einschlug, und José Mariano, der als Archivar tätig war und als einziger für Nachkommen sorgte, deren Linie bis heute in Madrid fortbesteht.
Fazit: Das Echo der Familie in der Musik
Die Familie war für Luigi Boccherini der rote Faden, der sich durch sein gesamtes Leben zog. Sie war die erste Schule, das erste Ensemble, der stärkste emotionale Anker.
Der künstlerische Geist, der im Hause Boccherini in Lucca herrschte, legte den Grundstein für seine Karriere und vermittelte ihm das Ideal des gemeinschaftlichen Musizierens, das sich in der dialogischen Struktur seiner Kammermusik widerspiegelt.
Die Liebe, das Glück, aber auch der unermessliche Schmerz, den er im Kreis seiner eigenen Familie in Spanien erlebte, formten ihn als Mensch und Künstler zutiefst. Auch wenn seine Musik selten direkt autobiografisch ist, so schwingt in ihrer tiefen Emotionalität, ihrer Zärtlichkeit und ihrer oft ergreifenden Melancholie stets ein Echo der menschlichen Erfahrungen mit, die sein Leben so reich und zugleich so schmerzvoll machten.
Die Familie war nicht nur der Nährboden seines Talents, sondern auch der Resonanzraum seiner Seele, dessen Schwingungen in jedem Takt seiner unsterblichen Musik zu spüren sind.

