Boccherinis Werke

Luigi Boccherini schuf über 500 Werke. Seine eigenhändig angelegtes Werkverzeichnis umfasst vor allem Violinduos, Steichtrios, Sonaten für Klavier und Violine (1768), Streichquartette, Streichquintette sowie sechs kostbare Streichsextette (1776) und reizvolle Divertimenti für Flöte und Streicher.

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Boccherini komponierte auch eine Reihe von Streichquintetten mit Flöte, mit Klavier und mit Gitarre. Von seinen rund 33 Sinfonien sind besonders die Opp. 12 und 21 hervorzuheben. Nicht enthalten in seiner persönlichen Werkliste sind die rund 30 Sonaten für Violoncello und basso, sowie Boccherinis wertvolle 12 Cello-Konzerte, obwohl einige davon bereits zu seinen Lebzeiten in London, Wien und Paris im Druck erschienen.

Ferner komponierte Boccherini eine Reihe von Vokalwerken. In jungen Jahren entstanden zwei Oratorien, die zeigen, dass Boccherini nicht von vorn herein dazu bestimmt war, ein Komponist von Instrumentalmusik zu werden, vielmehr hätte er auch ein bedeutender Opernkomponist sein können (Herbert Handt). Zu den 12 Konzertarien (1797) schrieb Boccherini an seinen Pariser Verleger: „ma musique vocale la plus moderne“. Boccherinis empfindsames Stabat mater gehört mit seiner einzigartigen wehmütigen Schönheit (Michael Wersin) zweifellos zu den bewegendsten Vertonungen des mittelalterlichen Mariengedichts.

Les Adagios surtout excitent l’admiration des connaisseurs et le désespoir des artistes ; ils donnent l’idée de la musique des anges. Dans les allegros, il ne cesse pas d’être noble. Sa musique puise dans la source des livres saints, et dans son genre ou dans sa personne, il n’a point eu de second.

„Vor allem die Adagios erwecken die Bewunderung der Kenner und die Verzweiflung der Künstler; sie geben die Vorstellung von Engelsmusik. In den Allegros hört er nicht auf, edel zu sein. Seine Musik schöpft aus der Quelle der Heiligen Schriften; in seinem Genre wie in seiner Person hatte er keinen Zweiten.“

—  Choron, Alexandre / Fayolle, François-Joseph

Dictionnaire historique des musiciens, Band 1, Paris: Valade, 1810

Boccherini als Cellist und seine Musik für Cello

Luigi Boccherinis Boccherinis herausragender Beitrag bei der Entwicklung des modernen Cellospiels wurde insbesondere von Cellisten stets gewürdigt. Noch zu Lebzeiten fand sein Name Eingang in Lehrwerke, so wird er als erster und einziger Cellist gleich auf der zweiten Seite in der Celloschule von Dominique Bideau (Paris 1800) genannt. Kurz darauf erscheinen in der Cello-Methode von Pierre Baillot et. al. (Paris 1804) eine ganze Serie von Exempeln aus Werken von Boccherini nebst einer Würdigung gleich zu Beginn. In der History of the violoncello (London 1914) schreibt Edmund S. J. van der Straeten: „Boccherini war der erste, der die Technik des Cellospielens in modernere Kanäle geleitet hat, durch den häufigen Gebrauch von Obertönen, Arpeggios und Daumenaufsätzen bis in die höchsten Register. Lange Staccatoläufe erscheinen ebenso häufig wie Passagen, die über alle Saiten in jeder der höheren Daumenpostionen gehen.“ Der Schweizer Cellist Julius Bächi schrieb über Boccherini: „Mit einer stattlichen Reihe von Cellosonaten und –konzerten, die er selber meisterhaft interpretierte, schuf er seinem Lieblingsinstrument eine der Violine ebenbürtige Stellung.“

Titelblatt der Erstpublikation von Boccherinis Cellokonzert C-Dur (G 481)

Titelblatt der Erstpublikation von Boccherinis Cellokonzert C-Dur (G 481), das als Concerto IV beim Bureau d´Abonnement musical in Paris im Jahr 1771 erschien.

Autograph Partitur vom dritten Streichquartett D-Dur aus Boccherinis erster Serie von Streichquartetten Op. 2

Autograph Partitur vom dritten Streichquartett D-Dur aus Boccherinis erster Serie von Streichquartetten Op. 2 aus dem Jahr 1761. Erster Satz Allegro, Violine 1.

Entwicklung des Streichquartetts

Wer das musikalische Genre des Steichquartetts begründet und praktiziert hat, ist bis heute ein viel diskutiertes Thema. Als einer der ersten Komponisten überhaupt, komponierte Luigi Boccherini im Jahr 1761 sechs Streichquartette, die später als Op. 2 in seiner Werkliste erschienen. Im Jahr 1766 unternahm er mit dem Cuarteto Toscano, bestehend aus den namhaften Musikern Pietro Nardini und Filippo Manfredi (Violine) sowie Giuseppe Cambini (Viola) und Boccherini (Violoncello) eine Torunee durch Norditalien. Dieses Ensemble gilt heute als eines der ersten – wenn nicht das erste, das diese gerade erst im Entstehen befindliche neue Gattung der Instrumentalmusik professionell praktizierte. Zeit seines Lebens komponierte Boccherini zahlreiche Streichqartette, von denen viele in Paris, London und Wien gedruckt wurden, andere warten dagegen noch in den Archiven auf ihre Wiederentdeckung. „An glückhafter Helligkeit, leichter Grazie und verführerischer Eleganz ist diese Musik wohl schwerlich zu übertreffen“, schreibt Friedhelm Krummacher in Das Streichquartett (Handbuch der musikalischen Gattungen, Leipzig 2001).

Einführung des Streichquintetts

„Aber wenn es eine Kompositionsgattung gibt, die für das Violoncello wie geschaffen zu sein scheint, so ist es das Quintett, wie es der berühmte Boccherini konzipiert hat; indem er dieses Instrument als Begleit- und Sprechstimme erklingen lässt, verleiht er [dem Quintett] einen doppelten Reiz und wird zum Schöpfer dieser Gattung …“

— Pierre-Marie Baillot

Méthode de Violoncelle et de Basse d’Accompagnement, Paris, Janet & Cotelle, c. 1804

„Keine andere Instrumentalmusik ist vielleicht einfallsreicher, eleganter und angenehmer als seine Quintette, in denen Erfindung, Anmut, Modulation und guter Geschmack zusammenfinden, und sie – bei guter Ausführung – zu einem Genuss werden lassen für die feinst gebildeten Zuhörer und kritischen Richter der musikalischen Komposition“

— Charles Burney

History of Music, 1784

„Der große Korpus von Quintetten für zwei Celli ist besonders repräsentativ für Boccherinis internationalen Stil. In diesen Werken finden sich einige der besten italienischen lyrischen Melodien, spanische rhythmische Vitalität, französische Streichertechnik und deutsche eigenständige Stimmführung“

— Ellen Amsterdam

1969

Streichquintette Op. 37, Paris 1798.

Titelblatt der Edition der Streichquintette op. 37, Paris 1798. Euterpe, „die Erfreuende“, Muse der Musik, überreicht ihrer Schwester Terpsichore, Muse der Tanzkunst, ein Blatt mit neuen Manuskripten von Boccherini.

„Boccherini hat das Streichquintett von einer Begleitmusik zu einer eigenständigen Kunstform von höchster Raffinesse erhoben.“

— Ludwig Finscher

Reclams Kammermusikführer, 13. Aufl., Stuttgart 2005, S. 119